Edison des Copains de Don Juan - “Eddi”
geboren am 17.01.1997 - gestorben am 18.05.2004
“Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache.” Antoine de Saint Exupéry
März 2000 - als Marketingassistentin hatte ich keine Zeit für einen Hund – meinen Kindheitstraum. Davon profitierten Tierheimhunde, mit denen ich am Wochenende ausging. Das bekam ein Kollege mit, der fragte, ob ich nicht mit seinem Hund spazieren gehen kann. Er hatte sich scheiden lassen und seitdem nur noch wenig Zeit für „Eddi“.
Eine Rasse nicht für Jedermann
Er drückte mir ein Briard-Buch in die Hand und ich saugte erstmal alle Informationen zu dieser Rasse auf. Dass so ein Hund nicht einfach ist, wusste ich schon – als „Anfänger“ wollte ich nie einen Briard haben.
Schwarzer Riesenmopp
Dann kam der Tag, an dem ich Eddi erstmalig abholte. Die beiden kamen mir schon entgegen und ich schluckte angesichts des schwarzen, 70 cm und 47 kg schweren Kollosses, der da auf mich zukam. Er begrüßte mich freundlich – so wie man das eben kennt… dachte ich selbstverständlich. Etwas dumm schaute Eddi schon aus der Wäsche, als ich mit ihm wegfuhr. Das legte sich aber, sobald er merkte, was er mit mir erleben konnte: wir gingen spazieren und sofort zeigte ich ihm, wer hier am längeren Hebel sitzt – ich begann Spielereien und beendete sie auch. Gleichzeitig probierte ich alle Befehle aus, die er so drauf haben sollte. Für Eddi ein Riesenspaß – endlich wurde er gefordert.
Alles paletti
Ab da war alles klar: wir zwei waren ein Team. Schon beim nächsten Mal freute sich Eddi unglaublich und der Besitzer war total erstaunt: „so freut er sich nicht mal bei meinen Eltern, die er schon so lange kennt…“. Ich konnte kaum die Klappe des Kofferraumes aufmachen, schon saß er erwartungsvoll drin. Es dauerte nicht lange, da schlief er ein ganzes Wochenende bei uns. Oft war er aufgrund des Zeitmangels vom Besitzer verfilzt und stank – abgesehen von seinen Käsefüßen- zum Himmel. So weit es ging, bürstete ich ihn und betrieb Schadensbegrenzung.
Ersatzfamilie gefunden
So langsam merkte ich, dass es keinesfalls selbstverständlich war, Eddis Aufmerksamkeit zu bekommen. Er war unglaublich distanziert zu Fremden und blickte mit einer Arroganz, die mir schon peinlich war, an den Leuten vorbei. Wir wurden schnell zu seiner Ersatzfamilie, von der er nicht mehr wegwollte. Machte ich Sonntag abends den Kofferraum auf, musste er mehrmals gebeten werden einzusteigen – er wollte nicht mehr nach hause. Ging es in den Urlaub und er durfte mit uns fahren, kamen wir nicht dazu, die Koffer ins Auto zu räumen – Eddi saß schon drin und war nicht mehr bereit auszusteigen.
Eddi ins Tierheim?
Permanent lebte ich mit der Angst, sein Besitzer könnte ihn weggeben und mir war klar, dass ich Job und Wohnung aufgeben würde, um Eddi zu behalten. Für diesen Hund hätte ich alles getan. Wir waren immer sehr stolz auf ihn und gaben nur ungern zu, dass er nicht uns gehört. Aber erst einmal ging es bis Juli 2002 so weiter.
Zwei finden sich
Da erfüllte ich mir meinen Traum und zog nach Lübeck, um dort für den Tierschutz im Marketing zu arbeiten. Wohlweislich mietete ich mir eine Bruchbude, in der man aber Hunde halten durfte. Wer weiß, was mal kommen würde. Eddis Besitzer wollte den Hund gern hin- und herschieben. Einen Monat sollte ich ihn haben, einen Monat er. Damit war ich nicht einverstanden – das wäre für den Hund nicht gut gewesen. Ich wohnte erst zwei Monate in Lübeck, als der Besitzer eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter hinterließ: Er wollte Eddi aus beruflichen Gründen abgeben und ich sollte mal schauen, ob jemand aus dem Tierheim Lübeck den Hund haben wolle. Ungläubig rollten bei mir die Freudentränen - keine Frage – Eddi gehörte mir!
Es war soweit
Am 13. September 2002 war es endlich soweit. Mein Freund holte Eddi ab und brachte ihn mit nach Lübeck. Der dicke Hund brauchte zwar etwas, um es sich in der 40qm Wohnung gemütlich zu machen, aber Hauptsache, ich war da.
Die erste Handlung, die ich an Eddi vornahm: ich schnitt ihm seinen verfilzten Zopf ab, den er auf dem Kopf hatte. Ein Termin beim Hundefriseur war schon gebucht. Seine Haut war an vielen Stellen gerötet, er hatte Ekzeme, da er lange Zeit so ungepflegt war. Nach dem Friseur roch er das erste Mal, seit ich ihn kannte, super lecker.
Zeit in Lübeck
Von nun an kam er mit zur Arbeit. Da es für ihn im Tierheim nicht gerade spannend war, wollte ich eine „Gassi-Geherin“ buchen, die ihn mit auf Strandspaziergänge nimmt, während ich arbeite. Wir gingen vorher gemeinsam spazieren, sie war mit ihrem Hund bei uns in der Wohnung und ich schickte die beiden auch mal allein los. Alles kein Problem. Als sie ihn allein aus der Wohnung abholen wollte, ging er auch mit, stieg aber partout nicht in ihr Auto. Kein Leckerchen der Welt brachte ihn dazu, von mir wieder wegzufahren. Warum auch? Er wollte lieber warten, bis ich wieder von der Arbeit nach hause komme. Also ging die verzweifelte Frau mit ihm so los. Erst mobbte er ihre Hündin. Als sie ihm was aus dem Fell machen wollte, knurrte er sie an. Als er sie dann noch irgendwann zwickte, war die Sache erledigt. Mein Freund blieb oft bis Montags da und verbrachte diese Tage allein mit Eddi. Er brauchte ein halbes Jahr, bis Eddi ihn anerkannte und eine Beziehung aufbaute.
Umzug nach Dorsten
Ein Jahr später fanden wir das Hundeparadies in Dorsten. Haus mit Garten, 700 Meter bis zum Wald. Eddi fühlte sich pudelwohl. Apropos Pudel: er hatte nun eine Lebensgefährtin, die 5jährige Lisa, die wir aus dem Tierheim mitgebracht haben. Erst einmal arbeitslos, machte ich eine ganztägige Fortbildung mit. Unser Nachbar ging mittags mit den Hunden raus – drei Monate lang.
Lisa begrüßte nun den Nachbarn freundlich, Eddi ignorierte ihn. Es gehört also viel dazu, diesen Hund zu beeindrucken.
Besondere Beziehung
Je mehr ich darüber nachdachte, wie distanziert Eddi zu anderen Menschen war und wie viel dazu gehörte, von ihm anerkannt zu werden, desto mehr wunderte mich unsere Beziehung. Ich erkläre es mir nur so, dass er damals auf jemanden wartete, der für ihn da war und dem er folgen konnte. Da kam ich daher. Es war aber schon erstaunlich, dass er sich auch damals gleich über mich freute. Wir haben uns wirklich gesucht und gefunden. Er war mein wahr gewordener Kindheitstraum vom Hund mit dicker Nase und Schlappohren. Ein verspielter Clown, loyal wie kein Zweiter. Und er war unerschütterlich cool, nichts brachte ihn aus der Ruhe. Er quetsche sich in die kleinste Ecke, wenn er dort neben mir liegen konnte. Trotzdem war es keine Kontrolle – er wusste, wer das Sagen hat und war sofort da, wenn ich etwas von ihm wollte. In meinem Beisein durften Fremde alles mit ihm machen. Für andere war er ein Problemhund – für mich absolut nicht. Wäre er damals ins Tierheim gekommen, er wäre nicht wieder herausgekommen.
Trauriges Ende
Im April 2004 wurde Eddi krank. Er sah schlecht aus, sabberte einseitig und hatte zunehmend Koordinationsprobleme. Es wurde eine Herzschwäche und Spondylose diagnostiziert. Das hätte man mit Medikamenten in den Griff bekommen.
Eddi war erst 7 Jahre alt, ich betete dass er doch bitte noch ein paar Jahre hat. Aber sein Zustand verschlechterte sich trotz Medizin. Ich wusste, dass er stirbt. Mein Freund wollte es nicht einsehen, aber ich konnte es an Eddis Augen erkennen. Zwei Wochen lang trauerte ich jeden Tag und ertrug es kaum, ihn in so schlechter Verfassung zu sehen.
Dann fuhren wir am 18.05.2004 nach Hannover zur Tierklinik, um eine Computertomografie machen zu lassen.
Wir mussten ihn auf einem Wagen schieben, da er auf Fliesen rutschte und sich nicht mehr halten konnte. Ich streichelte ihn mit „Tellington-Touch“ und er entspannte sich so, dass mich die Leute fragten, ob er in Narkose läge. Er vertraute mir hundertprozentig und gab sich meinen Händen hin. Ihn störte das hektische Rundherum kein bisschen. Die Neurologin glaubte mir nicht, dass der Hund noch laufen kann.
Ich wollte es ihr beweisen und ließ Eddi auf der Wiese laufen. Er rappelte sich auf und lief freudig mit uns mit. Die Ärzte waren erstaunt über so viel Lebenswillen – sie hätten niemals erwartet, dass er sich noch bewegen kann. Mein Eddi wollte wieder mit nach hause und folgte mir nur widerwillig in die Klinik zurück – aus der er auch leider nie mehr raus kam. Bis heute verzeihe ich mir nicht, dass ich nicht bei der Narkose dabei war. Die Ärzte schickten uns nach hause. Sie fuhren ihn aus dem Zimmer und er schaute mich ein letztes Mal an: „Wie, Du kommst nicht mit?“
Wir mussten ihn einschläfern lassen, er hatte einen Tumor im Gehirn, der auf seine Nerven drückte. Es war fürchterlich. Am schlimmsten waren die Kommentare „wieso, ihr habt doch noch den Pudelmischling?“ Dass Hund nicht gleich Hund ist, verstehen manche nicht. Die Charaktere sind genauso einmalig wie beim Menschen.
Fazit
Ich denke, Eddi und ich hatten eine besondere Beziehung. Wir haben uns gesucht und gefunden. Ich hätte es ihm so gegönnt, dieses Haus noch etwas zu genießen.
An seinem Lebenswillen bis zum Schluss habe ich gemerkt, wie gern er mit uns zusammen war und wie wohl er sich fühlte. Seltsamerweise fühlte ich mich wie abgeschnitten, als ich mit unserer Hündin Lisa dieselben Spaziergänge machen musste. Ein ganzes Stück Selbstbewusstsein, -Sicherheit und –Fröhlichkeit war weg. Ich merkte, wie viel mir dieser Hund gegeben hat.
Das Leben geht weiter
Ich habe oft mit Eddi gesprochen, als er so sehr krank war und zu ihm gesagt, dass ich das tue, womit es ihm besser geht – egal, wie die Entscheidung aussieht. Außerdem bat ich ihn, seine Seele in einen anderen Hund wandern zu lassen, vielleicht hat unser Briard Neelix, der 5 Tage nach Eddis Tod geboren ist, ein kleines Stückchen Eddi-Seele in sich. Denn er ist genauso ein Clown, genauso cool und seine Käsefüße erinnern auch stark an Eddi. Seit er 2 Jahre alt ist, ist die Bindung zu ihm ebenso eng geworden wie zu Eddi. Zu Neelix ist die Bindung aber anders als zu Eddi - wahrscheinlich, weil ich ihn als kleinen Welpen bekommen habe und er fast wie ein Kind für mich ist. Mit Eddi war es im Grunde eine exklusive Beziehung - wir waren eine Einheit. Neelix ist wesentlich offener zu fremden Menschen als Eddi und hat wenig von dem teilweise briardtypischen Misstrauen. Wir haben Neelix und Lisa ab und zu zum Hundesitting zu anderen Leuten gebracht und sie finden sich beide dort schnell ein, fühlen sich wohl und die Leute kommen gut mit den Hunden klar. Ich finde das äußerst wichtig, so schmeichelhaft es sein mag, wenn der Hund nur seinen Besitzer liebt: es kann uns immer mal irgendwann etwas passieren und da ist es gut, wenn der Hund auch woanders glücklich sein kann und nicht ausschließlich auf eine Person fixiert ist.
An Neelix möchte ich gutmachen, was ich Eddi nicht mehr bieten konnte – darum bin ich mit ihm im Hundeverein, probiere Sportarten aus, habe mal ins Ausstellungswesen reingeschaut und denke mir täglich irgendwelche spannenden Spielchen aus. Ich weiß auch jeden Tag mit Lisa und Neelix zu schätzen. Dennoch: einen zweiten Eddi wird es nicht noch einmal geben. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Eddi erleben durfte.


